Gemeinsame Ausschreibung Sekundärregelreserve

Seit dem 01.12.2007 decken die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) ihren Bedarf an Sekundärregelreserve über eine gemeinsame Ausschreibung.

Mit Einführung der gemeinsamen Ausschreibung übernimmt der Anschluss-ÜNB eine tragende Rolle. Der Anschluss-ÜNB ist derjenige deutsche ÜNB, in dessen Regelzone die durch den Anbieter zu vermarktenden Technischen Einheiten netz- und leittechnisch angeschlossen sind, unabhängig von der Spannungsebene.

Der Anschluss-ÜNB führt die Präqualifikation der Technischen Einheiten (Erzeugungseinheiten als auch regelbare Verbraucherlasten) durch, die unabhängig von der Spannungsebene in seiner Regelzone netztechnisch angeschlossen sind. Weiterhin ist er ist alleiniger Vertragspartner des Anbieters. Die Technischen Einheiten werden zur Erbringung von Sekundärregelreserve in den Regelkreis des Leistungsfrequenzreglers beim Anschluss-ÜNB eingebunden. Vermarktet ein Anbieter Technische Einheiten in mehreren Regelzonen, ist jeweils ein Rahmenvertrag mit dem betreffenden Anschluss-ÜNB abzuschließen.

Nach erfolgreicher Präqualifikation erfolgt der Abschluss des Rahmenvertrages mit dem Anschluss-ÜNB, sofern die präqualifizierte Leistung der Mindestangebotsgröße entspricht. Die Mindestangebotsgröße ist seitens der BNetzA auf 5 MW festgelegt. Abweichend davon ist eine Angebotsgröße von 1 MW, 2 MW, 3 MW oder 4 MW unter der Maßgabe zulässig, dass ein Anbieter von Sekundärregelreserve nur ein einziges Angebot je Produktzeitscheibe (positiv bzw. negativ) in der jeweiligen Regelzone abgibt. Der Rahmenvertrag ist die Voraussetzung für eine Teilnahme an der gemeinsamen Ausschreibung für Sekundärregelreserve.

Aufgrund des Netzregelverbund in Deutschland nimmt ein Anbieter automatisch am gesamten deutschen Sekundärregelenergiemarkt teil.

Für die Durchführung der Ausschreibung wird die gemeinsame Internetplattform regelleistung.net genutzt. Über diese Internetplattform erfolgen die Veröffentlichung der Ausschreibungsbedarfe, die Abwicklung der Angebotsabgabe und die Information der Anbieter über erteilte Zuschläge bzw. Absagen.

Mit Veröffentlichung der jeweils aktuellen Ausschreibung benennen die ÜNB gemäß §6 (2) StromNZV den Gesamtbedarf sowie die Bedarfe für jede der vier deutschen Regelzonen.

Die Ausschreibung und Vergabe ist für jeden Kalendertag vorgegeben.

Am 02.11.2020 (Lieferdatum 03.11.2020) wird der Regelarbeitsmarkt (RAM) eingeführt, mit dem erstmals eine getrennte Beschaffung von Regelleistung am Regelleistungsmarkt (RLM) und Regelarbeit am RAM einhergeht. Die Einführung des RAMs ist die nationale Grundlage für den europäischen Binnenmarkt für Regelreserve und entspricht der Anforderung aus Artikel 16 (5) EB-VO. Er bietet Regelreserveanbietern die Möglichkeit, nach Abschluss der Regelleistungsausschreibung dort erfolgreich bezuschlagte Gebote anzupassen und/oder neue Gebote (ohne Leistungspreis) abzugeben. Damit ergibt sich für die ÜNB für den Abruf nach jeder Gate Closure Time (GCT) im RAM eine neue Merit-Order-List (MOL).

Um einen einheitlichen Rahmen für den RAM zu schaffen, beschreiben die genehmigten Modalitäten für Regelreserveanbieter (MfRRA) in § 38 die Ausgestaltung des RAMs.

Weitere Eckpunkte sind im Beschluss BK6-18-019 bzw. BK6-18-004-RAM der Bundesnetzagentur geregelt.

Für die Angebotsabgabe und Abholung der Vergabeergebnisse steht jedem Anbieter ein individueller gesicherter Anbieterbereich zur Verfügung.

Die Veröffentlichung der ausgeschriebenen Bedarfsmenge, der anonymisierten Angebotsliste und der abgerufenen Sekundärregelleistung erfolgt gemäß obiger Beschlüsse der BNetzA über den frei zugänglichen Bereich dieser Internetplattform.

SRL Kooperation mit Österreich - aFRR ATDE

Die deutschen sowie der österreichische Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sind bereits Teil des internationalen Netzregelverbundes (IGCC). In dieser Kooperation wird der gegenläufige Abruf von Sekundärregelleistung (SRL, aFRR) vermieden, indem in beiden Ländern ein Bedarfsausgleich (Netting) durchgeführt wird.

Als nächsten Schritt vertieften die deutschen und der österreichische ÜNB nun ihre Kooperation durch Optimierung des SRL-Einsatzes anhand einer gemeinsamen Abrufliste (Merit Order) und basierend auf einem TSO-TSO-Modell seit Juli 2016. Auf diese Weise kann in beiden Ländern die aus wirtschaftlicher Sicht günstigste SRL zum Einsatz kommen, sofern keine operativen Netzrestriktionen an der gemeinsamen Grenze wirken. Dies senkt die Kosten für Regelarbeit.

Seit dem Beginn des Jahres 2019 wird eine gemeinsame Beschaffung von SRL durchgeführt. Hierbei werden alle Angebote aus Österreich und Deutschland zusammengeführt und gemeinsam vergeben. Es werden Länderspezifische Kernanteile und die zur Verfügung stehenden Kuppelkapazitäten beachtet. Die Höhe der zur Verfügung stehenden Kuppelkapazitäten (Cross Zonal Capacities, CZC) werden in einer wöchentlichen Kosten-Nutzen Analyse bestimmt und entsprechend reserviert. Die Details der Ausschreibung entnehmen Sie bitte dem EBGL Antragsdokument und die Details der Kosten Nutzen Analyse finden Sie hier.

Sekundärregelreserve

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