Gemeinsame Ausschreibung Primärregelleistung

Seit dem 01.12.2007 decken die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) ihren Bedarf an Primärregelleistung (PRL) über eine gemeinsame Ausschreibung.

Mit der Einführung der gemeinsamen Ausschreibung der Primärregelleistung übernimmt der Anschluss-ÜNB eine tragende Rolle. Der Anschluss-ÜNB ist derjenige deutsche ÜNB, in dessen Regelzone die durch den Anbieter zu vermarktenden technischen Einheiten netztechnisch angeschlossen sind, unabhängig von der Spannungsebene.

Für diese Technischen Einheiten (Erzeugungseinheiten als auch regelbare Verbraucherlasten) führt der Anschluss-ÜNB die Präqualifikation in seiner Regelzone durch und ist alleiniger Vertragspartner des Anbieters.

Vermarktet ein Anbieter Technische Einheiten in mehreren Regelzonen, ist jeweils ein Rahmenvertrag mit dem betreffenden Anschluss-ÜNB abzuschließen. Voraussetzung zum Abschluss des Rahmenvertrages ist die erfolgreiche Präqualifikation mit einer präqualifizierten Leistung mindestens in Höhe der Mindestangebotsgröße. Der Rahmenvertrag ist die Voraussetzung für eine Teilnahme an der gemeinsamen Ausschreibung für PRL.

Für die Durchführung der gemeinsamen Ausschreibung wird seit dem 01.12.2007 www.regelleistung.net genutzt. Über diese gemeinsame Internetplattform erfolgen die Veröffentlichung der Ausschreibungsbedarfe, die Abwicklung der Angebotsabgabe und die Information der Anbieter über erteilte Zuschläge bzw. Absagen.

Mit Veröffentlichung der jeweils aktuellen Ausschreibung benennen die ÜNB gemäß § 6 (2) Strom NZV den Gesamtbedarf für den deutschen Regelblock. Die Ausschreibung der PRL erfolgt symmetrisch, d.h. keine getrennte Ausschreibung von positiver (Leistungserzeugung) und negativer (Leistungsabnahme) PRL.

Die ab dem 01.12.2007 beginnende monatliche Ausschreibung wurde mit dem 27.06.2011 durch eine wöchentliche Ausschreibung ersetzt.

Die zum 01.07.2019 eingeführte werktägliche D-2 Ausschreibung mit einem Produktzeitraum der PRL von einem Tag wurde ab 01.07.2020 durch eine kalendertägliche Ausschreibung mit 4-Stunden-Produkten abgelöst.

Weitere Eckpunkte sind durch Beschlüsse BK6-10-097 und BK6-18-006 der Bundesnetzagentur geregelt.

Für die Angebotsabgabe und Abholung der Vergabeergebnisse steht jedem Anbieter ein individueller gesicherter Anbieterbereich zur Verfügung. Die Mindestangebotsgröße ist seitens der BNetzA seit 27.06.2011 auf +/- 1 MW festgelegt (zuvor 5 MW).

Die Veröffentlichung der ausgeschriebenen Bedarfsmenge und der anonymisierten Angebotsliste erfolgt gemäß den obigen Beschlüssen der BNetzA über den frei zugänglichen Bereich (Datencenter) der Internetplattform.

Internationale PRL-Kooperation: Kopplung der Märkte von Deutschland, Belgien, Niederlande, Frankreich, Schweiz und Österreich

Als erster internationaler Partner nahm der Schweizer Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid von 12.03.2012 bis 07.04.2015 an der gemeinsamen PRL-Ausschreibung mit den deutschen ÜNB auf www.regelleistung.net teil und beschaffte einen Teil des Schweizer PRL-Bedarfs. Seit dem 07.01.2014 nimmt TenneT NL an der gemeinsamen PRL-Ausschreibung teil.

Am 07.04.2015 wurde die internationale Kooperation mit der österreichisch-schweizerischen PRL-Ausschreibung gekoppelt. Am 01.08.2016 traten der belgische ÜNB Elia und am 16.01.2017 der französische ÜNB RTE der Kooperation bei. Dies erhöhte die Liquidität aus Sicht der nachfragenden ÜNB am PRL-Markt und erschloss den teilnehmenden Anbietern neue Absatzmöglichkeiten. Durch die Kopplung der PRL-Märkte entstand der europaweit größte PRL-Markt. In einem weiteren Schritt ist auch eine Teilnahme des dänischen Netzbetreibers Energinet und des slowenischen Netzbetreibers Eles geplant.

Die gemeinsame Ausschreibung von Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Österreich und der Schweiz erfolgt unter Verwendung der bestehenden Ausschreibungssysteme und steht allen präqualifizierten Anbieter offen.

Kenndaten der gemeinsamen Ausschreibung:

  • Die täglichen Ausschreibungen für PRL finden regulär D-1 um 8:00 Uhr statt. Insgesamt werden ab Januar 2020 in Summe ca. 1.400 MW PRL beschafft. Aus den gültigen Vorgaben resultieren maximal zulässige PRL-Exporte von maximal 30 % des länderspezifischen PRL Bedarfes, aber mindestens 100 MW.
  • Es werden Kernanteile je Teilnehmerland in Höhe von mindestens 30 % des Bedarfs berücksichtigt.
  • Im Fall einer Unterdeckung der Ausschreibungsmenge kommt das Notkonzept des jeweiligen Landes zur Anwendung. Gemäß der BNetzA-Festlegung wird auf regelleistung.net eine zweite Ausschreibung durchgeführt.

Decoupling:

  • Aus technischen und/oder regulatorischen Gründen kann es notwendig werden, den gemeinsamen Markt zu entkoppeln (Decoupling).
  • Das Decoupling findet statt, wenn technische Probleme auftreten und/oder die Vergabealgorithmen kein konsistentes Marktergebnis liefern.
  • Sollte ein Decoupling der Märkte stattfinden, wird die betreffende Ausschreibung in der Übersicht eindeutig gekennzeichnet.

Primärregelreserve

Aktuelle Ausschreibungen finden Sie im neuen Datencenter.

Datacenter