Markt für Regelleistung in Deutschland

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben die Aufgabe, das Leistungsgleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -abnahme in ihrer Regelzone ständig aufrecht zu erhalten. Zur Wahrnehmung dieser Aufgabe benötigen die ÜNB Regelleistung in verschiedenen Qualitäten (Primärregelleistung-, Sekundärregelleistung sowie Minutenreserveleistung), die sich hinsichtlich des Abrufprinzips und ihrer zeitlichen Aktivierung unterscheiden. Die enge Zusammenarbeit zwischen den ÜNB trägt dazu bei, den Gesamtbedarf an Regelleistung möglichst niedrig zu halten.

Seit 2001 beschaffen die deutschen ÜNB ihren Bedarf an Primärregelleistung-, Sekundärregelleistung sowie der Minutenreserveleistung auf einem offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Markt für Regelleistung entsprechend den Vorgaben des Bundeskartellamtes.

Die Beschaffung erfolgt als Ausschreibungswettbewerb am deutschen Regelleistungsmarkt unter Beteiligung zahlreicher Anbieter (sowohl Kraftwerksbetreiber als auch Stromkunden).

Durch die Möglichkeit, Technische Einheiten (Erzeugungseinheiten als auch regelbare Verbraucherlasten) zwecks Erreichung der für die einzelnen Regelleistungsarten jeweils geltenden Mindestangebotsgrößen (siehe bei den Beschreibungen der einzelnen Regelenergiearten) poolen zu können, ist es auch Kleinanbietern möglich, sich an den Ausschreibungen zu beteiligen.

Die Beschaffung von Primär- und Sekundärregelleistung erfolgte bis 30.11.2007 eigenständig je ÜNB im halbjährlichen Zyklus. Minutenreserve wurde dagegen bereits vor der Einführung der gemeinsamen Beschaffung je ÜNB eigenständig in täglichen Ausschreibungen beschafft. Für die Abwicklung dieser täglichen Ausschreibung hatten die deutschen Übertragungsnetzbetreiber bereits früher individuelle IT-Plattformen eingerichtet. Dazu waren marktbasierte Regelleistungsprodukte entwickelt worden, die den Anforderungen an einen stabilen Netzbetrieb gerecht werden.

Mit Inkrafttreten des Zweiten Gesetzes zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts (EnWG) am 13. Juli 2005 und den zugehörigen Verordnungen über den Zugang zur Elektrizitätsversorgungsnetzen (Netzzugangsverordnung - StromNZV) sowie über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (Netzentgeltverordnung - StromNEV) am 29. Juli 2005 haben sie die bisher geltenden Rahmenbedingungen für die Beschaffung und den Einsatz von Regelenergie deutlich geändert.

Der Bedarf der vier ÜNB an Minutenreserve wird seit dem 01.12.2006 im Zuge einer gemeinsamen Ausschreibung beschafft. Dafür stellen die ÜNB die gemeinsame Internetplattform (www.regelleistung.net) zur Verfügung. Die ein Jahr später am 01.12.2007 aufgenommenen gemeinsamen Ausschreibungen der Primärregelleistung und Sekundärregelleistung erfolgen ebenfalls über diese gemeinsame Internetplattform.

Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in ihrer jeweiligen Regelzone, insbesondere zur Aufrechterhaltung der Versorgung nach Störungen im Netzbetrieb sind die ÜNB gemäß §6 (2) StromNZV berechtigt, einen technisch notwendigen Anteil an Regelenergie aus technischen Einheiten in ihrer Regelzone (sog. Kernanteil) auszuschreiben. Danach ist sichergestellt, dass dieser Anteil an Regelenergie stets in der eigenen Regelzone bereitgestellt wird.

In konsequenter Weiterentwicklung der gemeinsamen Beschaffung kooperieren die deutschen ÜNB auf betrieblicher Seite durch den koordinierten Einsatz von Regelleistung im Rahmen des Netzregelverbunds (NRV):

  • Im Dezember 2008 haben die deutschen Übertragungsnetzbetreiber EnBW Transportnetze AG (TNG), E.ON Netz GmbH (heute: TenneT TSO GmbH) und Vattenfall Europe Transmission GmbH (heute: 50Hertz Transmission GmbH) das Modul 1 des NRV in Betrieb genommen. Dieses dient der Vermeidung eines gegenläufigen Abrufes von Regelleistung (SRL und MRL).
  • Im Mai 2009 folgte das Modul 2 des NRV. Es erlaubt den ÜNB eine gemeinsame Dimensionierung der Regelleistung, welche äquivalent zu einer einzigen Regelzone ist, da die Regelleistung nunmehr gemeinschaftlich vorgehalten wird (SRL und MRL).
  • Die Bildung eines einheitlichen Regelleistungsmarkts für Sekundärregelleistung (Modul 3) folgte im Juli 2009 und wurde im September 2009 durch den regelzonenübergreifenden, kostenoptimalen Sekundärregelleistungsabruf (Modul 4) ergänzt.
  • Seit Mai 2010 ist der vierte deutsche Übertragungsnetzbetreiber Amprion GmbH dem Netzregelverbund beigetreten.
  • Seit Juli 2010 rufen die vier deutschen ÜNB zudem die Minutenreserve über alle vier Regelzonen preisoptimal ab. Somit sind nun alle, die Netzregelung in Deutschland betreffenden Synergien, gehoben.
  • Aufgrund der Offenheit des NRV für Kooperationen mit weiteren, ausländischen Regelzonen besteht hierüber das Potential für weitere Kosteneinsparungen.

Marktbeschreibung

Die folgende von Consentec erstellte Studie gibt einen Einblick in den Regelleistungsmarkt und die Regelleistungskonzepte. Im Einzelnen werden hierbei u.a. folgende Aspekte betrachtet:

  • Rechtlicher und regulatorischer Rahmen
  • Netzzugangsmodell
  • Funktionsweise und Anforderungen an die Regelung
  • Präqualifikation sowie die Beschaffung und den Einsatz von Regelleistung
  • Ermittlung und Abrechnung von Ausgleichsenergie

Download:

Studien

Nachfolgend finden Sie die Abschlussberichte von Studien zum Thema Regelenergie, die von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern durchgeführt oder begleitet wurden.